Die ersten 10 Tage Tabletklasse…

… liegen hinter uns:

  • Hohe Erwartungen der Schülerinnen und Schüler, knisternde Spannung, volle Konzentration
  • Technisch stimmt der schulische Rahmen: Verbindungsmöglichkeiten aller Schüler über Beamer (Miracast) mit der Leinwand – Soundsystem – WLAN-Zugang – Verdunkelungsmöglichkeit
  • Wenige individuelle technische Probleme durch unterschiedlich geübte Schüler – schnell beginnt interne Teamarbeit und Unterstützung
  • Ich ertappe mich bei Anfänger-Fehlern: Die Stunden sind  überfrachtet, zu wenig didaktische Reduktion
  • Binnendifferenzierung verselbständigt sich durch individuelle  Lösungswege, z.B. bei Recherche-Aufgaben
  • Die Aufnahme eines Audios als Einstieg in die Unterrichtsreihe „Kurzgeschichten“ (Kl. 8)  ermöglicht alternativen Zugang zum Text
  • Offline arbeiten mit LibreOffice oder online mit Word Mobile? Beides läuft gleichzeitig
  • Fokussierte Konzentration aller Schülerinnen und Schüler auf die Leinwand beim gemeinsamen Lesen eines Textes aus dem digitalen Schulbuch
  • Gemeinsames Arbeiten an einem Dokument
  • Schon jetzt zeigt sich: Noch mehr Konzentration und Ordnung als in der analogen Welt, übersichtliche Strukturen sind nötig, um fixierte Ergebnisse später auch wiederzufinden
  • Die Möglichkeit, Videos, Fotos mehrfach (gemeinsam und individuell) genau zu untersuchen, bewirkt detailliertere Wahrnehmungen
  • Alle Texte sind gut lesbar!

Mehr Medienkompetenz als gedacht

In der letzten Deutsch-Stunde (Kl. 7) haben Gruppen zu vier Schülern jeweils ein Standbild erstellt. Grundlage war die Lektüre „Die Welle“ von Morton Rhue. Eine vorgegebene, 3-seitige Textstelle war bearbeitet und inhaltlich besprochen worden, die Schülergruppen hatten sich für die Darstellung unterschiedlicher Szenen auf einem Standbild entschieden.  Wie in allen bisherigen Unterrichtsstunden, in denen das Tablet eingesetzt wurde, waren Konzentration und Motivation außerordentlich hoch und dicht. Die Reflexionsphase am Ende der Doppelstunde brachte folgende Ergebnisse:

Was haben wir gelernt?

  • sich zu organisieren
  • Ideen zu diskutieren
  • dass man durch veränderte Mimik und Gestik ein ganzes Bild verändern kann
  • dass der Hintergrund zum Geschehen passen muss
  • dass jede Rolle wichtig ist
  • dass jeder seine eigene Art hat, Dinge umzusetzen
  • dass man die richtige Perspektive finden muss
  • dass man für das perfekte Bild mehrere Versuche benötigt
  • dass Zusammenarbeit wichtig ist
  • dass Kritik das Bild verbessern kann

Zu meiner Überraschung sind das deutlich mehr Lerneffekte im Bereich der Medienkompetenz, als gedacht. Bleibt abzuwarten, inwieweit sich diese Kompetenzen auf das Textverständnis auswirken werden.

Verhalten überprüfen: Geht nicht? Geht doch! – Tablets im Deutschunterricht

Webbewerb (2)Im Rahmen des Themas Kommunikationsmodelle stellten Schülerinnen und Schüler der EF (Jgst. 10) ein Rollenspiel vor. Im „normalen“ Unterricht ist eine detaillierte Überprüfung dieser einmaligen Vorstellung nicht möglich. Darauf kann man aber gerade im Zusammenhang mit Kommunikationsmodellen nur schwer verzichten, da unterschiedliche Parameter überprüft werden müssen. Im Unterricht mit Tablets werden diese Grenzen aufgehoben. Die Schülerinnen und Schüler hatten die Möglichkeit sich bei der Vorstellung zu filmen, sodass bei der (auf ein IWB projizierten) Präsentation beliebig vor- und zurückgespult werden konnte, um die Kommunikation im Detail analysieren zu können. Dies ist für den Unterricht überaus gewinnbringend, da einzelne Parameter genau beobachtet, Probleme oder Verständnisschwierigkeiten der jeweiligen Kommunikationsmodelle am konkreten Beispiel aber auch noch einmal erklärt werden können. Zudem fördert der Einsatz der Tablets die arbeitsteilige Gruppenarbeit, da sich unterschiedliche Gruppen mit verschiedenen Filmsequenzen beschäftigen und diese genau analysieren können. Die ausführlichen Analysen können später zusammengetragen werden. Dabei profitieren alle Schülerinnen und Schüler von dieser Ausführlichkeit, die ohne ein wiederholtes Vor- und Zurückspulen nicht möglich wäre. Die Schülerinnen und Schüler hatten sehr viel Spaß daran, da sie ihre eigene Kommunikation „live“ überprüfen konnten.
Am Ende dieser Unterrichtsreihe erhielten sie den Arbeitsauftrag, einen (analogen) Text zu lesen, diesen auf Formen der Kommunikation zu überprüfen und die Kommunikationsarten in Form von Standbildern oder Videos darzustellen. An dieser Stelle wurden analoge und digitale Medien miteinander verknüpft. Dies korrespondiert nicht nur mit der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler, sondern diese Form des produktions- und handlungsorientierten Unterrichts unterstützt zudem zahlreiche Lerntypen (Sehen, Lesen, Hören, Fühlen). Die Schülerinnen und Schüler verkörpern im wahrsten Sinne des Wortes die Kommunikationsart zu diesem Zeitpunkt. Zudem identifizieren sie sich mit dem Lerngegenstand, da sie selber ein Teil davon sind. Tablets (und andere digitale Medien) haben den erheblichen Vorteil, dass Momentaufnahmen gespeichert und wiederholt analysiert werden können. Ohne diese Medien ist der Moment schnell Vergangenheit.

Jennifer Becker, Referendarin am Bischöflichen Clara-Fey-Gymnasium Schleiden