Selbstvergewisserung

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SELBSTVERGEWISSERUNG

In der Kar- und Osterwoche möchte ich meine Sinne schärfen für Ausdrucksformen des Christlich-Religiösen, die mich umgeben. Wo in meinem Leben ist das Christentum präsent und für mich wahrnehmbar? Welche Bedeutung hatte und hat diese Ausdrucksform für mich? Davon erzähle ich täglich in meinem Blog. Du bist dazu herzlich eingeladen.

Kannst du so groß vom Leben denken, dass Ewigkeit dir zur Gewissheit werden kann? Der Glaube an ewiges Leben stellt für mich die Nagelprobe des Glaubens schlechthin dar: Hier entscheidet sich, ob ich den Graben zwischen Wissen und Glauben überspringen kann. Und das fällt mir nicht immer leicht. Ostern ist der Brennpunkt, das Zentrum unseres Glaubens, von dem aus alles wirkt: Die Auferstehung sprengt alle bloß irdischen Vorstellungen und Maßstäbe.
Kann es Gott geben und das ewige Leben nicht? Kann die Welt, das Universum, jedes einzelne Wunder des Lebens – kann das alles Zufall sein? Erfahren wir nicht die haltenden, tragenden Hände Gottes? Sind das Leben und die Lust an ihm nicht so übermäßig, dass ich gar nicht groß genug von ihm denken kann? Unverdient Geschenktes – das ist es. Gottes Da-sein ermöglicht Leben. Weilkolumbajahresausstellung102_v-ARDFotogalerie Gott es ermöglicht, kann es nicht endlich sein.

Robert Klümpens “Je t’aime” (Ausschnitt), z.Zt. im Kölner Diözesamuseum Kolumba zu bestaunen, lässt etwas erahnen von der überschäumenden Fülle des Lebens: Aus einem fragil erscheinenden Zelt – in ihm sind nur Schatten zu erkennen – strahlt leuchtendes Licht nach draußen. “Je t’aime”, “Ich liebe dich”, flüchtig über die Szene geschrieben, ist die Zusage, die alles zum Strahlen bringt. “Je t’aime”, “Ich liebe dich” – das ist das Versprechen desjenigen, dem wir auf ewig vertrauen können.

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Der Tod und und die Reflexion über ihn waren gewiss ein starker Impuls für das religiöse Bewusstsein der Menschen. Obwohl meine Mutter mir immer wieder klarzumachen versuchte, dass es “noch viel zu früh sei”, mich damit auseinanderzusetzen, beschäftigen mich der Tod und die damit verbundenen Ängste und Hoffnungen dennoch seit meiner Jugend. Einübungen ins Sterben beginnen schon durch Erfahrungen von Abschied, Krankheit, Begrenzung, Misserfolg.

Der Tod, diese Grenze nach hinten, die Mauer am Ende des Lebens: Führt er ins AUS, ist er der Fall ins NICHTS? Der Tod Jesu – seine Hinrichtung am Kreuz – erschien seinen engsten Freunden so sinnlos und schockierend, dass fast niemand von ihnen bei ihm war, als er starb.

Dem Tod, der ein erfülltes Leben vollendet, haftet dennoch etwas Sinnvolles an, er macht den Sinn des Lebens eigentlich erst aus. Gäbe es ihn nicht, mündete alles in Beliebigkeit. Er setzt allem die Krone auf, er sorgt für Bedeutung, für Einmaligkeit. So hat “alles seine Zeit”.

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Das Credo (lat.: Ich glaube) gehört zum Kern des christlichen Bekenntnisses. “Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,…” – so beginnt es. An der Allmacht Gottes mag man hin und wieder (ver)zweifeln mit einem realistischen Blick auf die Welt und wie es in ihr zugeht. Allerdings nur dann, wenn man den Begriff “Allmacht” missversteht und ihn auf Kosten der (menschlichen) Freiheit überhöht. Die Wirkmächtigkeit Gottes ermöglicht Welt und Leben und setzt es gleichzeitig in Freiheit. Der Mensch kann sich dem Willen Gottes öffnen und/oder sich ihm verschließen. “ICH HABE KEINE ANDEREN HAENDE ALS DIE EUEREN“” – dieser Satz auf dem Querbalken des Kreuzes in der Münsteraner Ludgeri-Kirche bringt das dynamische Verhältnis zwischen dem Willen Gottes und dem, was der Mensch daraus macht, treffend zum Ausdruck.

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Vaterunser

Das Vaterunser gehört zu den am häufigsten gesprochenen Gebeten der Welt. Jesus hat es seinen Jüngern gelehrt. Er nannte Gott sogar “abba”, “Papa”.  Es ist nicht selbstverständlich, sondern schön und tröstlich, Gott “Vater” nennen zu dürfen. Und es zeugt von einer tiefen Verbundenheit, Nähe und Vertrautheit mit dem, “was uns unbedingt angeht” (P. Tillich). Gott als unseren Vater zu bekennen und anzusprechen, setzt zugleich die Verbundenheit aller Kinder Gottes voraus. ER der Vater, wir die Kinder. Von ihm kommen wir, zu ihm gehen wir.

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MITTAGSGEBET

Das gemeinsame Gebet der Familie am Mittagstisch: ein Segen! Jeder kommt aus seiner kleinen Welt, mit seinen individuellen Erlebnissen und Erfahrungen am Morgen, und das kurze Gebet, gemeinsam gesprochen, fokussiert auf unseren Familienkreis und den, den wir anrufen und einladen. Zuhören und mit-teilen, Ort der Begegnung, der Auseinandersetzung, der Stärkung.

Als er dann mit ihnen zu Tisch saß, nahm er das Brot, sprach das Segensgebet darüber, brach es in Stücke und gab es ihnen. Da gingen ihnen die Augen auf und sie erkannten ihn. Aber im selben Augenblick verschwand er vor ihnen. (Lk 24, 30f.)

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GLOCKEN

Morgens um 7, mittags um 12, abends um 18 Uhr: Der “Engel des Herrn”, das Angelusläuten. Es begleitet mich seit Kindesbeinen, strukturiert den Tag. Als Einladung zum Gebet erreicht es zumindest mein spirituelles Empfinden, ist Anlass zum kurzen Innehalten, zur Sammlung – Ermunterung.

Gerade morgens – als Frühaufsteher läuten die Glocken für mich nach der Morgenlektüre oder zur Abfahrt mit dem Wagen – erinnern sie mich an meine Zeit als Messdiener. Vor der Messe schaltete ich die Glocken zweimal für fünf Minuten an, damals (in den 70-ern) waren sie noch für viele das Signal zum Kirchgang. Wenn die Glocken schwiegen, blieben Leere und Vakuum. Doch noch erfüllen sie die Stille mit feierlichem Klang und mich mit frischem Schwung für den Tag.

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