Religionspädagogik

Beitrag vom 01/03/15

DSC_0002Glauben heißt Vertrauen

„Was glaubst du denn?!“ Tiefer gefragt: Wem glaubst du? Das wichtigste Wort in der Bibel für glauben heißt vertrauen! Wem kann ich wirklich vertrauen? Wem kann ich mein Herz ausschütten? Genau so, wie es in meinem Herzen ausschaut?

Wenn ich in meinem Leben einen Menschen habe, dem ich vertrauen kann, ist das ein Riesen-Geschenk! Ein Riesen-Geschenk ist es auch, wenn ich sagen kann: Gott, ich vertraue Dir! Ich glaube Dir! Da geht es in die Tiefe unseres Lebens, an die Fundamente. Vertrauen kann ich nicht erzwingen, das ist ein gegenseitiges Geschenk.

Guter, liebender Gott, ich glaube Dir, ich vertraue Dir. Was für ein Geschenk! Im Lateinischen heißt „ich glaube“ „credo“, das Herz geben. Wem vertraue ich mein Herz an?

Diesen Text trägt eine 17-Jährige als Morgenimpuls vor dem Kurs vor. Sie hat ihn im Netz gefunden und etwas überarbeitet. Er stammt von Anton Leichtfried, Weihbischof der Diözese St. Pölten.  Mit geschlossenen Augen, im Kreis stehend,  nehmen die Schülerinnen und Schüler den Text auf, nehmen ihn wahr.

Beitrag vom 07/02/15

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Im-Puls Zustimmung, Ablehnung, Nähe, Distanz, Begeisterung, Lethargie: ein Schultag. Getrieben werden, konfrontiert mit dem, was mich anspricht und mir fremd bleibt. Guter Religionsunterricht stellt den Schüler in den Mittelpunkt. Hier merke ich, dass ich selbst, dass mein Leben gemeint ist. Nicht in jeder Stunde, aber in jeder, die mich innerlich berührt. Deshalb beginnt  die Unterichtsstunde mit einem Morgen-Impuls. Um sich auf sich selbst konzentrieren zu können , leiten Atmungs- und Dehnungsübungen die Stunde ein: Nacken- und Schultermuskulatur lockern, der Fokus richtet sich auf die Wahrnehmung z.B. meines Herzschlags, meines Atems oder auf das in diesem Moment Hörbare. Das alles geschieht mit geschlossenen Augen, so dass ich mich ganz sammeln kann. Wir stehen im Kreis, beginnen uns auf uns selbst zu konzentrieren und können uns öffnen für das, was jetzt kommt: Eine/r hat etwas vorbereitet als Morgen-Impuls: einen Text, ein Lied, etwas Nachdenkenswertes. Erfahrungsgemäß haben die Schülerinnen und Schüler ein feines Gespür dafür, was jetzt „passt“ – zum Thema oder einfach zu ihnen. Wir hören etwas, über das es sich nachzudenken lohnt. Etwas vom wirklich Wichtigen im Leben. Falls Gesprächsbedarf besteht, sprechen wir, im Kreis stehend, darüber. Ich erlebe Schülerinnen und Schüler, die mit ihren Beiträgen etwas von sich selbst erzählen, ihre Wünsche, ihre Hoffnungen auf ein einfaches, geschütztes, sinnvolles Leben zum Ausdruck bringen. Sie sind sich über Werte und Ziele, wie Familie, Einfachheit, Zeit … bewusst, in ihnen lebt eine große Sehnsucht nach dem, was Religion geweckt hat und thematisiert. Mich erfüllt das mit großer Hoffnung. Hier ein Beispiel-Text, den eine Schülerin vortrug: Eines Tages hält ein Zeitmanagementexperte einen Vortrag vor einer Gruppe Studenten, die Wirtschaft studieren. Er möchte ihnen einen wichtigen Punkt vermitteln mit Hilfe einer Vorstellung, die sie nicht vergessen sollen. Als er vor der Gruppe dieser qualifizierten angehenden Wirtschaftsbosse steht, sagt er: „Okay, Zeit für ein Rätsel.“ Er nimmt einen leeren 5-Liter Wasserkrug mit einer sehr großen Öffnung und stellt ihn auf den Tisch vor sich. Dann legt er ca. zwölf faustgroße Steine vorsichtig einzeln in den Wasserkrug. Als er den Wasserkrug mit den Steinen bis oben gefüllt hat und kein Platz mehr für einen weiteren Stein ist, fragt er, ob der Krug jetzt voll ist. Alle sagen: „Ja“. Er fragt: „Wirklich?“ Er greift unter den Tisch und holt einen Eimer mit Kieselsteinen hervor. Einige hiervon kippt er in den Wasserkrug und schüttelt diesen, sodass sich die Kieselsteine in die Lücken zwischen den großen Steinen setzen.Er fragt die Gruppe erneut: „Ist der Krug nun voll?“ Jetzt hat die Klasse ihn verstanden und einer antwortet: „Wahrscheinlich nicht!“ „Gut!“ antwortet er. Er greift wieder unter den Tisch und bringt einen Eimer voller Sand hervor. Er schüttet den Sand in den Krug und wiederum sucht sich der Sand den Weg in die Lücken zwischen den großen Steinen und den Kieselsteinen. Anschließend fragt er: „Ist der Krug jetzt voll?“ „Nein!“ ruft die Klasse. Nochmals sagt er: „Gut!“ Dann nimmt er einen mit Wasser gefüllten Krug und gießt das Wasser in den anderen Krug bis zum Rand. Nun schaut er die Klasse an und fragt sie: „Was ist der Sinn meiner Vorstellung?“ Einer hebt seine Hand und sagt: „Es bedeutet, dass egal wie voll auch dein Terminkalender ist, wenn du es wirklich versuchst, kannst du noch einen Termin dazwischen schieben“. „Nein“, antwortet der Dozent, „das ist nicht der Punkt. Wenn du nicht zuerst mit den großen Steinen den Krug füllst, kannst du sie später nicht mehr hineinsetzen. Was sind die großen Steine in eurem Leben? Eure Kinder, Personen, die ihr liebt, eure Ausbildung, eure Träume, würdige Anlässe, Lehren und Führen von anderen, Dinge zu tun, die ihr liebt, Zeit für euch selbst, eure Gesundheit, eure Lebenspartner? Denkt immer daran, die großen Steine ZUERST in euer Leben zu bringen, sonst bekommt ihr sie nicht alle unter. Wenn ihr zuerst mit den unwichtigen Dingen beginnt, dann füllt ihr euer Leben mit kleinen Dingen voll und beschäftigt euch mit Sachen, die keinen Wert haben und ihr werdet nie die wertvolle Zeit für große und wichtige Dinge haben.“

Beitrag vom 23/01/15

Wallenthaler Höhe (2)

Das Leben sei eine Prüfung Gottes, und nach dem Tod werde jeder seine Quittung bekommen: Himmel oder Hölle, süße Früchte oder ewige Qualen. Wie der Mensch sich gottgemäß zu verhalten habe, sei in den Hl. Schriften geschildert. Trotzdem habe er die Freiheit, sich anders zu entscheiden, was eben auch Leid, Kriege, Ungerechtigkeiten erzeuge. Das natürliche, traditionelle Ordnungsverhältnis zwischen Mann und Frau, Gott und Mensch sei in der Moderne vollkommen verwässert und aufgeweicht worden. Das Statement eines 15-jährigen Gymnasiasten im Religionsunterricht. Die Klasse, besonders Mitschülerinnen, reagieren argumentativ, sachlich, differenzierend: Ich freue mich auf die Unterrichtsreihe GOTT.

Beitrag vom 17/01/15 Ex 3, 14 Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ’ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen, twittert eine Kölner Gymnasiastin und löst damit eine Welle unterschiedlicher Reaktionen aus. Die Analyse von Gedichten, literarischen Texten im Allgemeinen und biblischen im Besonderen, gehört zu unserem schulischen Alltagsgeschäft. Die Auseinandersetzung mit religiösen Metaphern und weiteren sprachlichen Besonderheiten ist nicht nur unverzichtbarer Bestandteil religiöser Sprachlehre, sondern eröffnet die Welt hinter der vordergründigen, entführt in das Geheimnis der Poesie, lässt Göttliches erahnen. Diese Auseinandersetzung zu vernachlässigen würde das  (sprachliche) Zentrum von Religion negieren und kurzerhand ihren Bedeutungsverlust beschleunigen. Offenkundig ist eine stetige Reflexion der Funktionen von Textanalysen notwendig. Dann kann auch Verständnis dafür wachsen, warum wir keine Miet- oder Versicherungsverträge analysieren (wollen). Und dann wird es auch möglich sein, zu erkennen, dass die Fähigkeit zur Gedichtanalyse die Lesekompetenz im Allgemeinen schult, sodass sogar Steuergesetze verständlich werden können – auch, wenn das nicht immer gelingt. Dies liegt dann allerdings nicht an den Gedichten, auch nicht an deren Analysen.

Beitrag vom 11/01/15

Grünewald Joh. d. T. - Kopie

Das zentrale, die Schülerinnen und Schüler weiterführender Schulen in ihrer Lebensphase bestimmende Thema kreist um die Fragen Wer bin ich? und Wer will ich sein?, deren Gefolge eine Menge an Unsicherheiten, Begeisterung, Irrationalem mit sich bringt. Diese Fragen stehen auch vor der Auseinandersetzung mit der Person Jesu, seiner Botschaft in Worten und Taten. Johannes der Täufer weist hin auf den, „der (…) stärker (ist) als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken, um ihm die Schuhe aufzuschnüren“ (Mk 1,7). Von ihm geht nach wie vor große Wirkkraft aus – und hinterlässt ihre Spuren im Werde-Prozess der Heranwachsenden. Beitrag vom 07/01/15 In seinem neuesten Buch Innenansichten des Religionsunterrichts, München 2014, hat Rudolf Englert 113 Stunden des Faches Katholische Religionslehre in Grundschulen und weiterführenden Schulen analysiert. Als ein Ergebnis der umfangreichen und lesenswerten Untersuchung schlussfolgert der Autor (S. 228): Dass Religionslehrer/innen in der emphati­schen Funktion von »Zeugen« […], zum Beispiel für die Glaubwürdigkeit christlicher Überzeugungen oder den Le­benswert christlicher Praxis, auftreten, haben wir kaum erlebt. Dies entspricht den bereits festgestellten Tendenzen, die im Religionsunterricht initiierten Lernprozesse, soweit weltanschauliche Fragen berührt sind, inhaltlich offen zu lassen und die Auseinandersetzung mit Religion zu versachkundlichen. Inter­essant ist, dass an die Stelle der kaum mehr anzutreffenden Zeugen-Funktion des Religionslehrers nun nicht umso stärker die Experten-Funktion tritt, son­dern dass die Lehrer/innen auch ihre fachliche Expertenschaft, von wenigen Ausnahmen abgesehen […], kaum einmal zur Geltung bringen. Offensichtlich zeigt sich die Qualifikation von Religionsleh­rer/innen heute nicht mehr in der Dimension konfessorischer Zeugenschaft und kaum mehr in der Dimension wissenschaftlicher Expertise als vielmehr in pädagogischer Professionalität und methodisch-didaktischer Versiertheit. Was regt sich jetzt? Widerspruch? Spontan war das jedenfalls bei mir so. Kein „Zeuge“, kein „Experte“, sondern „professioneller Didaktiker“? Die Reli-Stunden, in denen ich mich als „Zeuge“ erlebe, kommen mir immer wieder wie Sternstunden vor. Dann erzähle ich von eigenen „Gipfelerlebnissen“ (Steindl-Rast), Begegnungen mit Gott und den Menschen, vom Umgang mit dem Tod, von der Erfahrung der Auferstehung in der eigenen Familie, und diese Erzählungen rufen jeweils eine konzentrierte, fast andächtige Stimmung hervor – dann sind die Schülerinnen und Schüler ganz bei mir und ich bei ihnen. Genau so ist es, wenn sie selbst von ihren Erlebnissen und Erfahrungen sprechen, selbst zu „Zeugen“ werden. Wie häufig sind solche Stunden (möglich und nötig)? Beim nüchternen Bilanzieren fällt mir auf: Themenwahl und Inhalte des Lehrplans sowie methodisch-didaktische Rahmensetzungen erlauben solche Sternstunden eher selten, aber doch immer wieder einmal. Wie oft sollten sie stattfinden? Wie wirken sie auf die Schülerinnen und Schüler? Authentischer Religionsunterricht in einer Zeit, in der Kinder und Jugendliche nur noch rudimentären Kontakt zu kirchlich-religiösem (Er-)Leben haben, scheint mir angewiesen zu sein auf „Zeugenschaft“, die durchaus „professionell“ ist.

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