Reli.digital

Auf dieser Seite veröffentliche ich in unregelmäßigen Abständen skizzenartige Unterrichtsreihen des Faches Katholische Religionslehre (Sek. I/II, Gymnasium). Alle UR integrieren digitale Medien und sind in der Praxis erprobt.

Weitere Erläuterungen, Materialien und Einführungen in die Verwendung der Medien/Werkzeuge/Programme gebe ich gerne weiter in Fortbildungen zum Thema „Religionsunterricht mit digitalen Medien“.

Bibeltexte besser verstehen

mit selbst produzierten Videos

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„Digitale Schule“ ist keine digitalisierte „analoge Schule“. Sie bietet weitaus mehr Möglichkeiten (vgl. SAMR-Modell). Eine dieser Möglichkeiten besteht in der Produktion (und Reflexion) von Videos. Weiterhin kommen in dieser UR digitale MindMaps, Standbilder und Audios zum Einsatz, außerdem beschäftigen sich die SuS kritisch mit dem Netz .

Dafür sollten sie schon etwas fitter sein im Umgang mit digitalen Medien, besonders mit Aufnahmetechniken und Schnittprogrammen (MovieMaker, Davinci Resolve o.a.) umgehen können.

Das Unterrichtsthema Jesus begleitet die SuS in allen Schulformen und vielfältigen Kontexten. Die hier vorgestellten Schritte (Jgst. 9, Gymnasium) bleiben deshalb auf einer diesem vielfältigen Einsatz verpflichteten Ebene. Die Produktion eines Videos, das eine Kernaussage der Perikope aktualisiert, erfordert über die reine Textarbeit hinausgehende, vielfältige Auseinandersetzungen in der Gruppe.

1. Schritt: eine MindMap erstellen, ein Standbild produzieren

Um Vorwissen zu aktivieren und einen Überblick darüber zu gewinnen, erstellen die SuS in Gruppen eine MindMap zum Thema Meine Vorstellung von Jesus, die anschließend auf einer Internetplattform (z.B.  Wiki) allen verfügbar gemacht und über den Beamer auf die Leinwand projiziert wird, um sie gemeinsam zu besprechen. Hier ein Beispiel.

Anschließend wird in Partner- oder Gruppenarbeit (max. 4 Personen) ein kreatives Standbild produziert, das mindestens drei Merkmale der in den MindMaps fixierten Vorstellungen von Jesus zeigt. Das Standbild kann mit einem Audio unterlegt sein, das die Merkmale veranschaulicht, und soll auf das Wiki hochgeladen werden.

2. Schritt: Reflexion der Standbilder / Kameraeinstellungen kennenlernen und ausprobieren

Vorstellung und Bewertung der Standbilder unter folgenden Gesichtspunkten:

  • Sind die von der Gruppe ausgewählten Merkmale Jesu relevant/überzeugend? Warum (nicht)?
  • Wie veranschaulicht das Standbild die ausgewählten Merkmale? Verbesserungsvorschläge?

PA: Lernt gemeinsam verschiedene Kameraeinstellungen kennen: Erläutert euch die einzelnen Einstellungen.
GA: Welche Kameraeinstellungen habt ihr bei der Produktion eurer Standbilder verwendet? Wie wirken sie?
GA (3 Personen): Fotografiert euch gegenseitig aus einer der Kameraeinstellungen und ladet die Fotos aufs Wiki hoch Besprechung.

3. Schritt: Mk 5,1-20 

Die folgenden Arbeitsschritte verdanke ich :in Religion 6/2016, S. 21-28 (Autor: Jean-Pierre Sterck-Degueldre).

Die Perikope wird  erschlossen, indem zunächst die kennengelernten Kameraeinstellungen (als Verständnishilfen) auf den Text angewendet werden: Wie lenkt Mk unseren Blick?  Anschließend folgt „klassische“ Textarbeit, ergänzt um Material zu den Themen Wundererzählungen, Dämonenaustreibung, Symbolik (Gerasa, Besessener, Grabhöhle, Schweine). Die geografischen Gegebenheiten können im Netz recherchiert werden. Als Ergebnissicherung werden folgende Fragen auf dem Wiki beantwortet:

  • Warum ist die Erzählung Mk 5,1-20 kein Tatsachenbericht?
  • Durch welche Anspielungen/Symbole verweist der Text auf die Botschaft?
  • Welche Botschaft vermittelt der Text?
  • Inwiefern ist diese Botschaft heute noch aktuell?

4. SchrittKriterien eines guten Lernvideos recherchieren und als Grundlage der Produktion eigener Videos erstellen

5. Schritt: Produktion des Erklärvideos planen (GA)

Vorgaben:

  • Aktualisierung einer Kernaussage der Perikope
  • Kriterien eines guten Erklärvideos (s. o.) beachten
  • Dauer: 2-4 Minuten
  • Berücksichtigung urheberrechtlicher Vorschriften

Arbeitsorganisation:

  1. Einarbeitung in das Thema (Welche Kernaussage aktualisieren wir? – intensive Textarbeit – Recherche)
  2. Formulierung der Leitfragen/Kernpunkte für das Video
  3. Formulierung der zu sprechenden Texte – Auswahl der Aufnahmeorte
  4. Storyboard (detaillierter Ablauf des Videos)
  5. Produktion des Videos (Aufnahme, Schnitt, Bearbeitung)
  6. WER macht WANN WAS? Erstellung eines präzisen Zeit- und Arbeitsplans/Wiki
  7. Abgabetermin

6. Schritt: Produktion der Erklärvideos (ca. 6 St.)

7. Schritt: Auswertung der Video-Projekte zu Mk 5,1-20 unter folgenden Gesichtspunkten:

  • Auswahl einer relevanten Kernaussage?
  • Mediale Umsetzung der Kernaussage?
  • Aktualisierung?

Gemeinsames Anschauen – Feedback durch die Klasse – Online-Feedback auf vorbereitetem Bewertungsbogen

Hier das Beispiel eines gelungenen Videos.

8. Schritt: Kritisches Netz-Bewusstsein

EA/PA: Suche im Netz nach jeweils einem kitschigen und einem ernstzunehmenden Jesus-Bild. Begründe deine Auswahl.

Hier von den SuS ausgewählte Beispiele für ein kitschiges sowie ein ernstzunehmendes Jesus-Bild.

 

 

Selfies – DU siehst mich!

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Selfies sind oftmals Ausdrucksformen der Identitätsentwicklung Jugendlicher, und als solche bieten sie zahlreiche Anknüpfungspunkte für eine Unterrichtsreihe (durchgeführt in der Jgst. 7, Gymnasium), in der es um Selbst- und Fremdwahrnehmung, kritisches Medienbewusstsein, die eigene Werte-Hierarchie sowie die Rolle von Glauben und Religion im eigenen Leben geht.

Diese 7. Klasse hat soeben begonnen, in (fast) allen Fächern mit Tablets (2-in-1-Geräte, BYOD, WLAN) zu arbeiten, sodass sie noch am Anfang der Ausbildung ihrer Medienkompetenzen steht. Deshalb beschränke ich mich in dieser UR auf die Aufnahme/Bearbeitung/Reflexion von Fotos, Collagen und eines Audios.

1. Schritt: Identitätsmolekül

Zunächst geht es um das eigene Identitätsmolekül: Die SuS machen sich Gedanken über ihre Persönlichkeit, über das, was sie auszeichnet, über für sie Typisches. Diese Eigenschaften notieren sie in einer vorbereiten Datei und erhalten somit eine molekülartige Widerspiegelung eigener Charakteristika.

Anschließend nehmen sie, ausgehend von ihrem Identitätsmolekül, mit Hilfe ihres Handys/Tablets vier Selfies auf, die jeweils eine ihrer Eigenschaften visualisieren, und stellen sich diese Selfies gegenseitig in einer Gruppe (4 Personen) vor.

2. Schritt: Reflexion 

In einem kooperativ erstellten Dokument (Internetplattform: Wiki, ZumPad) formulieren die SuS Antworten auf folgende Fragen:

  1. Welche Erfahrungen habt ihr bei der Erstellung der Selfies gemacht?
  2. Welche Bedeutung hat Fremdwahrnehmung (im Kontext von Selfies) für euch?
  3. Welche Rolle haben Fototechniken, -bearbeitungsprogramme bei der Erstellung der Selfies gespielt?

Anschließend werden die Ergebnisse der einzelnen Gruppen an die Leinwand projiziert, besprochen und in einem weiteren Dokument, das die Ergebnisse dieser 1. Reflexionsphase  zusammenfasst, z.B. auf einem Wiki, allen verfügbar gemacht.

3. Schritt: Produktion/Auswertung

Die durch die Reflexionsphase initiierte Kritikfähigkeit soll nun weiter vorangetrieben werden mit folgender Aufgabe, die geläufige Funktionen von Selfies variiert:

Mach ein Foto davon, was die wenigsten von dir wissen! Wenn du willst, kannst du zusätzlich auch eine Requisite verwenden.

Zu sehen sind zwei Beispiele: Links geht es um das Hobby „Motocross“, rechts um die grundsätzliche Infragestellung von Selfies.

Zunächst werden diese  Selfies wieder in der Gruppe, anschließend (freiwillig) der gesamten Klasse  vorgestellt. Wertschätzend, neugierig und staunend nimmt diese die „Kunstwerke“ auf.

4. Schritt: Reflexion über Möglichkeiten und Grenzen von Selfies

Jede/r SuS vervollständigt (als Hausaufgabe auf dem Wiki) folgende drei Satzanfänge:

MEINE SELFIES ZEIGEN MICH SO,… WAS KANN EIN SELFIE ZEIGEN? WAS KANN EIN SELFIE NICHT ZEIGEN?
… wie ich bin und wie meine Stimmung ist. Und das, was ich gerne mag und was meine Stärken und Schwächen sind. Die Leidenschaften und die Gefühle. Oder auch, wie man sich darstellen möchte. Den Charakter und das Innere eines Menschen kann man durch ein Selfie nicht erkennen. Man kann nur das Äußere sehen und wie die Person sich darstellen möchte.
  • Durch den Überblick über alle angefertigten Hausaufgaben auf dem Wiki erhält die Lehrkraft die Möglichkeit, die Ergebnisse schon vor der Präsenzstunde einzusehen und solche zur Besprechung auszuwählen, die besonders gut gelungen sind (wie das Beispiel). Die SuS werten (hier sind unterschiedliche Arbeitsformen möglich)  die Ergebnisse aus.

5. Schritt: Werte-Reflexion 

Was ist dir in deinem Leben besonders wichtig? Versuche, drei deiner Werte in eine Rangfolge zu bringen!

Den ersten Platz dieser Werte-Hierarchie belegt mit großem Abstand die

  • Familie, dann folgen
  • Freunde,
  • Haustiere und Hobbys.

Auch diese Werte sollen – nun schon auf der Grundlage geschärfter ästhetischer Wahrnehmung und grundgelegter medialer Bearbeitungskompetenzen – visualisiert werden (als Beispiel hier der Wert der Freundschaft):

WertFreunde

6. Schritt: Bedeutung von Religion und Glaube – Produktion eines Audios

KEINE EINZIGE Eintragung der drei wichtigsten Werte der SuS bezog sich auf Glauben, Kirche oder Religion, sodass sich jetzt der Anknüpfungspunkt dafür ergeben kann mit der Frage:

Welche Bedeutung haben Glauben und Religion für dich/euch? Produziere/Produziert dazu ein Audio!

Hier ein typisches Beispiel einer Antwort.

7. Schritt: Bedeutung von Religion und Glaube – Textbearbeitung, -besprechung, Visualisierung

Im Gedicht Vice Versa von Christian Morgenstern wird eine Ahnung von Gottes Anwesenheit lyrisch versprachlicht. Die leicht verständliche Rahmenerzählung  wird besprochen, anschließend soll ihr Gehalt – die unbemerkte Anwesenheit Gottes – „visualisiert“ werden, diesmal mit einem Foto oder in einer Collage (z.B. mit der App Pic Collage): eine anspruchsvolle Aufgabe, die sowohl in Einzel- als auch in Partnerarbeit durchgeführt werden kann.

8. Schritt: Auswertung der Fotos/Collagen

In Gruppen werden zunächst die Fotos bzw. Collagen vorgestellt, d.h. gezeigt und erklärt. Jede Gruppe (6 Personen)  wählt ein oder zwei gelungene Ergebnisse aus, die dann der ganzen Klasse vorgestellt werden. Hier ein Beispiel:

Vice_versa

9. Schritt: Noch ’n Gedicht

Bei Bedarf kann der folgende Bonhoeffer-Text (Auszüge aus Widerstand und Ergebung) besprochen werden:

Wer bin ich? […]

Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?

Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß? […]

Wer bin ich? Der oder jener?

Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer?

Bin ich beides zugleich? […]

Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!

10. Schritt: Zusammenfassung / Reflexion des UR-Titels „Selfies – DU siehst mich!

In mehreren möglichen Arbeitsformen werden Ergebnisse der UR zusammengefasst und ihr Titel  reflektiert:

  •  Bewusstmachung der Funktion von Selfies
  •  Fremdwahrnehmung und ihre Bedeutung
  •  Kritik gängiger Schönheits- und (gendertypischer) Verhaltensnormen
  •  Medienkritik
  •  Einsatz von Bildbearbeitungsprogrammen und ihre Funktionen
  •  Der „Blick“ Gottes auf mich
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