Archiv des Autors: zumlicht

Meine ersten Learningapps

Habe soeben meine ersten Learningapps erstellt:

1. Finde die Zitierfehler!

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2. Rhetorische Stilmittel, Teil 1

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3. Rhetorische Stilmittel, Teil 2

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4. Kennst du die Zitier-Regeln?

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Zwei Welten

„Digitale Schule“ stellt Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer vor unerwartete Herausforderungen.

Dig.Schule

Die vielfältigen Möglichkeiten der Binnendifferenzierung in der „digitalen Schule“ fördern eigenständiges Lernen und die Eigenverantwortlichkeit der Schülerinnen und Schüler für ihren Lernweg und Lernerfolg.  Unsere Arbeit auf einem Wiki setzt durch ihre Transparenz neue Maßstäbe im Vergleich zur „analogen Schule“ und ist für alle Beteiligten, die diese Arbeitsweise, die auf präziser Arbeitsorganisation, Verlässlichkeit, fairer Arbeitsteilung, Kooperation und Engagement beruht, aus der „analogen Schule“ nicht gewohnt sind, eine unerwartete Herausforderung. Besonders auffällig gestaltet sich diese Erfahrung bei Schülerinnen und Schülern, die nur zweitweise, z.B. in nur einem Fach,  mit digitalen Medien arbeiten. Während diese Herausforderungen spontan von etwa 25% erfolgreich gemeistert werden, ist die Mehrheit (bisher) nur ansatzweise in der Lage, diese neuen Arbeitsgrundlagen (und ihre Konsequenzen)  wahrzunehmen und erfolgreich in ihre Lernwelt zu integrieren.

War die „analoge Schule“ stets nur in der Lage, punktuelle Leistungsüberprüfungen einzuholen, ist die digitale Welt öffentlich für jeden jederzeit einsehbar.  Stand bisher die Lehrperson vorne und stellte gleiche Aufgaben für alle, ist jetzt mehr eigenverantwortliches Lernen möglich. Das bedeutet für viele einen kompletten Paradigmenwechsel vom fremdbestimmten geleitet Werden zu eigenverantwortlichem, selbst bestimmtem Lernen.

Diese Beobachtung lässt sich in gewissem Rahmen verallgemeinern: Sowohl für Schülerinnen und Schüler als auch für Lehrerinnen und Lehrer bedeutet „digitale Schule“, recht verstanden (z. B. 4 K’s), die Veränderung der bisherigen Rahmenbedingungen ihrer Arbeit.

Möchte man das? Wünscht man sich das? Ich bin mir nicht sicher, ob diese Frage nicht durch die Realitäten überholt werden wird. Aber eins scheint mir klar zu sein: Diejenigen, die sich in dieser „digitalen Umwelt“ auskennen und  deren Möglichkeiten als Chance betrachten, ihre Lern- und Arbeitsbedingungen unter modernen Bedingungen weiter zu entwickeln,  werden den anderen weit voraus sein: Ihnen stehen viele Türen offen.

 

Digitale Prüfungsformen in der „analogen Schule“ sind möglich

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Viele Kolleginnen und Kollegen machen sich auf den Weg „zeitgemäßer Bildung“ und versuchen mit dem Einsatz digitaler Medien in der Schule ihre SchülerInnen auf die Anforderungen im Studium und im Beruf des 21. Jahrhunderts angemessen vorzubereiten. Das entspricht voll und ganz dem Bildungsauftrag der Schule.

Die Arbeitsweise „digitaler Schule“ und die momentan bestehenden Strukturen prallen oftmals dort aufeinander, wo der freie Gestaltungsraum der LehrerInnen geringer wird: in Klassenarbeiten und Klausuren. Wer regelmäßig digitale Medien (nicht nur) zur Recherche, sondern ebenso z. B. kollaborativ verwendet, wer das Internet als Wissensspeicher kritisch zu nutzen weiß, wer sich in einem Lernnetzwerk befindet, der sieht sich durch die klassischen Prüfungsformen (jeder für sich, ohne Internetzugang, mit Papier und Stift) zurückversetzt in eine Zeit und Lernkultur, die als überwunden galt.

Wie kann man nun trotzdem in dieser, für die meisten Kolleginnen und Kollegen alltäglich-realen Schulumwelt, digitale Prüfungsformen realisieren, um den pädagogischen Mehrwert „digitaler Schule“ auch in Klassenarbeiten bzw. Klausuren hinein zu tragen?

Seit fast zwei Jahren unterrichte ich meine Tabletklasse auch im Fach Deutsch, und seitdem habe ich ausschließlich digitale Klassenarbeiten geschrieben. Wir arbeiten auf einem Wiki, kollaborative Arbeitsformen sind den Schülerinnen und Schülern somit vertraut. Aus datenschutzrechtlichen Gründen muss eine Klassenarbeit/Klausur in einem nichtöffentlichen Raum stattfinden. Deshalb sende ich den SchülerInnen zu Beginn der Arbeitszeit alle nötigen Materialien per (vorbereiteter) Mail zu. Neben offenen Dateien gibt’s zusätzlich immer auch ein PDF, auf das im Notfall zurückgegriffen werden kann. Texte können wahlweise digital oder analog (bei einer Lektüre z.B. im Buch) bearbeitet werden.

In der 8. Klasse stand am Ende der Unterrichtsreihe zu Hermann Hesses „Unterm Rad“ folgende Klassenarbeit:

AUFGABEN:

  1. Welche Aspekte des Romans „Unterm Rad“ hältst du für aktuell? Zur Meinungsbildung kannst du sowohl den Roman als auch die Unterrichtsergebnisse auf dem Wiki zu Hilfe nehmen.
  2. Welche der folgenden Webseiten würdest du MitschülerInnen einer 8. Klasse zur Orientierung über den Roman (nicht) empfehlen? Wähle jeweils eine empfehlenswerte bzw. nicht empfehlenswerte aus und begründe deine Meinung:

2.1http://www.schultreff.de/referate/deutsch/r0820t00.htm

2.2 http://www.dieterwunderlich.de/Hesse_rad.htm#cont

2.3 http://www.lesekost.de/deutsch/nobel/HHLDN04.htm

2.4 http://www.neuewoertlichkeit.de/unterm-rad/

2.5 http://www.dw.shuttle.de/dw/kreisgymftldeu/deutsch2.htm

 

  1. Überarbeite deinen Text noch einmal sorgfältig.

Sende mir deine Lösung spätestens um 8.55 Uhr per Mail zu.

Was üblicherweise in Klassenarbeiten deutscher Gymnasien ausgespart bleibt (WLAN, Internet, Zugriff auf – auch von MitschülerInnen – in der UR Erarbeitetes, Medienkompetenzen zur kritischen Beurteilung von Webseiten), findet in dieser Prüfungsform seinen (während der Unterrichtsreihe vermittelten und geübten) Platz.

Nach meiner Korrektur (mit der Kommentarfunktion von Word bzw. LibreOffice) sende ich sie den SchülerInnen zu Beginn einer Präsenzstunde wieder per Mail zu.

Digitale Medien bieten zahlreiche Möglichkeiten der individuellen Förderung. Dies zeigt sich besonders in der Korrekturphase der Klassenarbeit/Klausur, die wiederum auf dem Wiki stattfindet.  Zunächst erstellt jede/r SchülerIn eine Statistik ihrer/seiner Fehler (nach Fehlerarten), sodass sie/er sprachliche Stärken und Schwächen unmittelbar reflektieren kann und abhängig davon anschließend ihre/seine persönlichen Schwächen mit interaktiven Übungen, die ich als Links zur Verfügung stelle, beheben kann. Im Extremfall ergibt sich hier eine Situation, in der jede/r SchülerIn ihren/seinen eigenen Lernweg verfolgt. Folgende Links (Übungen zur Rechtschreibung und Grammatik)

sind brauchbar:

https://www.learningsnacks.de/share/551/

http://bit.ly/2mJZfOG

http://www.online-lernen.levrai.de/index.htm

https://ivi-education.de/

 

Weiterhin wird die korrigierte Klassenarbeit auf das Wiki hochgeladen und hier (etwa vom Tischnachbarn) wiederum korrigiert, z. B. durch Fettmarkierung der (inhaltlichen und sprachlichen) Fehler. Nach einem erläuternden Gespräch darüber gilt das Feedback dem einzelnen Schüler als Grundlage zur erneuten Korrektur seines Textes. Ggf. erfolgt eine weitere Korrektur/ein weiteres Feedback, bis ein zufriedenstellender Erfolg erzielt ist.

 

Krommer vs. Wörner – ein Duell um die Digitale Bildung, das keines war

#BayernEDU

Sie werden von diesem Artikel enttäuscht sein, wenn Sie Freund von zwischenmenschlichen Scharmützeln, Debatten unter der Gürtellinie oder rein polemischen Diskursen sind. Denn all das war es nicht, was sich am letzten Montag (13.11.) an der FAU Erlangen-Nürnberg abspielte.

Gerne war ich der Einladung Axel Krommers, DEM advocatus diaboli in Sachen Digitale Bildung im deutschsprachigen Raum, gefolgt, meine Idee von digitalem Deutschunterricht in seinem Seminar „Deutschunterricht unter den Bedingungen der Digitalisierung“ vorzustellen. Und das obwohl mir manche abgeraten, andere mir wieder Mut gemacht hatten. Zu weit schienen unsere #BayernEdu-Praxis-Konzepte von der von vielen Twittervordenkern erwünschten „Digitalen Bildung“ entfernt. Letztlich mussten sich einige von uns sogar den Vorwurf gefallen lassen, dass sie z. B. im Rahmen des Flipped Classrooms eine Art „palliative Didaktik“ betreiben würden. Darunter versteht Axel Krommer u. a., dass das Abspielen von Lernvideos eher den traditionellen Frontalunterricht unterstützt und zudem überholte didaktische Ideen unbewusst immer weiter tradieren. Kurz:…

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Möglichkeiten und Risiken des Unterrichtens mit digitalen Medien – Fazit nach 1 Jahr

Nach einem Jahr Leitung der 1. Tabletklasse am Clara-Fey-Gymnasium  möchte ich ein Fazit in mehreren Thesen ziehen.

1. These: Motivation, Motivation, Motivation!

Auch nach einem Schuljahr Unterricht mit einem 2-in-1-Gerät in (fast) allen Fächern bleibt die Motivation der SchülerInnen konstant hoch: Die Lust, mit dem Gerät zu arbeiten, die erweiterten Möglichkeiten digitalen Arbeitens (Links, Fotos, Videos, Standbilder, Textüberarbeitungen, Recherche, usw.) gehören mittlerweile zum selbstverständlichen und unverzichtbaren Repertoire. Die Erfahrung des Netzes als großer, dennoch abrufbarer Wissensspeicher, des Geräts als technische Grundlage eigenen produktiven Arbeitens, die Entdeckung jederzeit möglicher Erweiterungen – dies und vieles mehr hält die SchülerInnen bei der Stange: Niemand möchte mehr zurück in die „Kreidezeit“. Und jede/r LehrerIn weiß um den hohen Wert motivierter SchülerInnen für deren Lernerfolg.

 

2. These: #zeitgemäße Bildung

Den Begriffsvorschlag „zeitgemäße Bildung“ von Dejan Mihajlović verwende ich hier einmal, um auf die Verantwortung von Schule hinzuweisen: Es gibt überhaupt keinen Grund mehr, die „Digitalisierung der Gesellschaft“ auszublenden und so weiterzumachen wie bisher.  Verglichen mit der Erfindung des Buchdrucks – und die Digitalisierung ist mit diesem kulturhistorisch-evolutiven Quantensprung vergleichbar – stehen wir erst am Anfang des 16. Jahrhunderts. Darauf muss Schule reagieren: Neue Arbeitsmittel, neue Arbeitsformen müssen auf veränderte Studien- und berufliche Anforderungen vorbereiten.

 

3. These: Zentral: die 4 K’s (Kollaboration, Kommunikation, Kreativität, Kritisches Denken)

Sie sollen die Skills des 21. Jahrhunderts sein. Zumindest sind sie zentrale Kompetenzen, die durch die Arbeit mit digitalen Medien in besonderer Weise gefördert werden:

  • Kollaboration (z.B. auf einem Wiki), Lernen mit- und voneinander in einer Weise, wie sie nur mit digitalen Medien möglich ist.
  • Wer meint, es würde nicht mehr miteinander gesprochen, irrt: Der Klassenraum lebt, in den Kleingruppen wird intensiv miteinander kommuniziert. Besonders in der Mittelstufe hilft diese Arbeitsweise SchülerInnen über ihre Scheu, vor großen Gruppen zu sprechen, hinweg. Ergänzend findet die (außerunterrichtliche) Kommunikation über soziale Netzwerke statt.
  • In einer Welt, die  automatisierbare Aufgaben zunehmend den Maschinen überlassen wird, ist menschliche Kreativität  ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal: Sie ist ein Schlüssel zur selbst bestimmten Autonomie. Zentrum der Digitalisierung muss stets der Mensch sein/bleiben:  Die Maschine soll ihm dienen, nicht umgekehrt.
  • Damit zusammen hängt das kritische Denken: Neben dem Lernen mit Medien gilt es stets, das Lernen über Medien, z.B. durch Reflexionen des Medieneinsatzes, zu unterstützen. Ökonomische, z.T. auch politische Bestrebungen zielen auf den willigen Consumer / Bürger, der Mensch muss aber immer auch seiner Würde gemäß die nötige Distanz zur Maschine durch den Einsatz des eigenen Verstandes wahren: Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen – hier ist der alte Kant noch heute aktuell.

 

4. These: Stärkung eigenständigen Lernens

Den binnendifferenzierten Unterricht, den die „analoge Schule“ stets zu erreichen versuchte, kann die digitale realisieren: Im Extremfall lernt jede/r SchülerIn z.B. in ihrem/seinem eigenen Tempo, ihren/seinen individuellen Fähigkeiten gemäß, auf ihrem/seinem Lernweg, der anders aussieht als der des Nachbarn. Dazu verhelfen u.a. interaktive Videos und Lernapps, die auf die jeweiligen Antworten der SchülerInnen individuell reagieren, Binnendifferenzierung ist aber auch Ausdruck vielfältiger, von der Lehrperson erteilten Aufgaben, die (in der Schule) zur gleichen Zeit von unterschiedlichen SchülerInnen bearbeitet werden können.

„Früher“ arbeitete die gesamte Lerngruppe in der gleichen Zeit mit den gleichen Methoden und Fragestellungen an derselben Aufgabe, die anschließend gemeinsam besprochen wurde. Unterschiedliche Fähigkeiten, Lerntypen und Arbeitsweisen konnten sich kaum entfalten – diese Möglichkeit bietet nun der Einsatz digitaler Medien.

Diese Arbeitsweise erfordert auf der anderen Seite ein deutliches Plus an Eigenverantwortung. Die Transparenz der Arbeit  auf dem Wiki und seine Versionsgeschichte dokumentieren lückenlos die Aktivitäten aller SchülerInnen und ermöglichen mir Einsichten in ihr Arbeitsverhalten. Meine Erfahrungen zeigen, dass diejenigen sich in dieser neuen Lernumgebung schnell wohlfühlen und sie prägen, die sich auch bisher gut organisieren konnten. Ebenso zeigt sich, dass die entgegengesetzt arbeitenden ca. 15 % der SchülerInnen immer wieder aufgefordert und „ermuntert“ werden müssen, und die große dazwischenliegende Gruppe sich durchaus zusätzlich angetrieben fühlt.

Effiziente Techniken zur Organisation der eigenen Arbeit zu entwickeln, besonders in einer Lebensphase, in der sich neben Schule weitere, subjektiv interessantere Perspektiven ergeben, ist für viele SchülerInnen eine Herausforderung. Strukturieren und Organisieren zeigen sich in der digitalen Schule als fundamental wichtige und folgenreiche Kompetenzen. Eine Hausaufgabe fand sich recht schnell im entsprechenden Heft, die Suche nach der Datei kann sich jedoch endlos gestalten, wenn ich nicht organisiert arbeite. Ein Wiki leitet zum strukturierten Arbeiten an: Übersichtliche Listen, eine überschaubare Anzahl an Werkzeugen, Textfokussierung, geringe Ablenkungsmöglichkeiten tragen dazu bei, relativ leicht den Überblick zu gewinnen und durch konsequentes Arbeiten zu behalten. Ständige Auswertung des Lehrers, seine Pflege des Wikis, bleiben weiterhin notwendig und ermöglichen direkte Eingriffe bzw. individuelle Hinweise und Tipps.

 

5. These: Eltern wollen das.

Am Beginn unserer Tabletklassen steht ein Abend gemeinsam mit der Schulleitung, Eltern und Kindern (Siebtklässlern). An diesem Abend wird die Arbeit mit den Tablets vorgestellt und besprochen. Ebenso entscheiden sich die Eltern, ob sie ihren Kindern das Gerät (ca. 200 €) kaufen möchten. Da diese Einwilligung eine Säule unseres Konzepts ist, hat dieser Abend eine entscheidende Bedeutung. Mittlerweile ist es für mich keine Überraschung mehr, dass alle Eltern, bis auf ganz wenige Ausnahmen, dem Einsatz digitaler Medien in der Schule sehr positiv gegenüber stehen. In ihren Berufen sind sie täglich „digital unterwegs“, sie kennen die Bedeutung sachgerechter Vorbereitung auf die Arbeitswelt. Auch in den meisten Studiengängen sind digitale Medien alltägliches Werkzeug. Somit sind solche Abende erfahrungsgemäß Highlights am Beginn der Tabletklassen: Schulleitung, Eltern, LehrerInnen und Kinder entscheiden sich gemeinsam für eine bestimmte Arbeitsweise in der Schule. Ein starkes Zeichen!

Weiterhin lässt sich, etwa anlässlich von Elternsprechtagen oder Elternabenden, feststellen, dass die Eltern auch nach dieser Entscheidung und im weiteren Verlauf der Arbeit das Projekt „tragen“ und somit einen wesentlichen Beitrag leisten, es erfolgreich zu gestalten.

6. These: gerechtere Bewertungen

Zunächst mal kurz zu den Leistungen selber: Lernen die SchülerInnen der „digitalen Schule“ genauso gut und viel wie die in der „analogen“? Oder halten sie sich so viel mit technischen und medienpädagogischen Fragen und Hindernissen auf, dass das Fachliche darunter leiden muss? Unterschiedliche Studien belegen unterschiedliche, sich widersprechende Ergebnisse. Meine Erfahrung ist eindeutig: Im Vergleich mit den früheren Leistungen derselben SchülerInnen in der „analogen“ Schule sind die Leistungen in den Fächern Deutsch, kath. Religion und Politik – hier stehen vor allem Texte im Vordergrund – besser geworden. (Natürlich hinkt der Vergleich: Es handelt sich zwar um dieselben SchülerInnen, aber nicht um dieselben Themen und Prüfungen, usw.) In diesem Bereich sind eindeutige Aussagen auch kaum erwartbar. Aber der Trend ist nach meiner Erfahrung klar erkennbar: Die kollaborative Arbeit auf dem Wiki, das permanente Peer-Feedback, die Aktivierung der Schülerkompetenzen zur Verbesserung etwa von Texten im Deutschunterricht hinterlassen Spuren, die sich in besseren Leistungen widerspiegeln.

Nun zur Bewertung: Die Arbeit auf unserem Wiki erlaubt allen, auch mir, den permanenten Zugriff auf alle Schülerleistungen. Bewertungen erfolgen demnach nicht mehr nur punktuell, etwa in den Präsenzstunden, sondern können flächendeckend jederzeit und von überall aus erfolgen. Das ermöglicht mir eine deutlich gerechtere Bewertung der Schülerleistungen.

 

7. These: Risiko Oberflächlichkeit 

Der Bildschirm leuchtet, flimmert. Verschiedene Reize melden sich. Bilder, Videos, Bewegung, Werbung. Da fällt es schwer, sich zu fokussieren, zu konzentrieren. Der nächste Reiz: nur einen Klick weit entfernt. Fördern digitale Medien den ohnehin grassierenden Trend zur Oberflächlichkeit, zur schnellen Kost, zum bequemen Konsum? Ohne Zweifel: Ja. Natürlich ist es ein Unterschied, ob ich den Zugang zum Internet oder ein Textblatt vor mir habe. Und wenn ich die (digitalen) Deutsch-Arbeiten meiner Schüler*innen lese, fallen mir fehlende Konzentration, Flüchtigkeit, mangelnde Sorgfalt auf.  Parallel unterrichte ich auch noch „analog“, und diese Arbeiten sind, was die Fehlerhäufigkeit angeht, nicht immer besser, sodass ich mindestens von sehr ähnlichen Ergebnissen sprechen kann.

Ist die Beherrschung der Rechtschreibung und Grammatik in 10 Jahren überhaupt noch ein Thema? Oder erledigt diese Aufgabe Technik, der wir die Sätze diktieren?

Selbst wenn wir zukünftig standardisierbare Arbeiten an Maschinen delegieren werden: Die uns eigene Kreativität, Originalität und Flexibilität kann nur dann vielfältige, komplexe Ausdrucksformen erlangen, wenn wir, möglichst viele von uns, Rechtschreibung, Grammatik, alle sprachlichen Ausdrucksformen so gut wie möglich beherrschen.  Deshalb ist sorgfältige, entschleunigte, tief gehende Arbeit an und mit Sprache notwendig, z.B. im Deutschunterricht.  Manchmal geht es dabei bis ins Komma, bis in den Laut, bis in den Buchstaben hinein. Wenn wir diese (sprachlichen) Fähigkeiten vermitteln, wird auch zukünftig der (mündige) Mensch mit der Technik umgehen und nicht umgekehrt.

Digitale Medien im RU

 

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Die Ausstattung der Schulen in Deutschland – gemeint sind hier alle Schulformen – mit digitaler Technik und digitalen Medien ist z. Zt. sehr unterschiedlich: vom einzelnen PC im Klassenraum (mit Windows XP) bis hin zur Ausstattung aller SchülerInnen mit IPads, vom totalen Handyverbot bis hin zu flächendeckend nutzbarem WLAN – dazwischen existieren alle möglichen Varianten.

Wer sich auf die Suche nach „Religiösem“ im Netz macht, wird schnell fündig: Nicht selten gelangt sie/er zu tendenziösen, wenig abgesicherten und oftmals von längst überholten wissenschaftlichen Standards geprägten Inhalten, die dazu noch professionell gestaltet sind. SchülerInnen kennen die eigentlichen Intentionen und Tendenzen dieser Seiten vielfach nicht, da sie meistens nur über rudimentäres Hintergrundwissen und geringe Medienkompetenzen verfügen. Guter Religionsunterricht befähigt zur kritischen Auseinandersetzung mit religiösen Inhalten auch im Netz. Weil ein immer größer werdender Teil persönlichen Lernens der Schüler*innen heute im Netz stattfindet,  ist eine dementsprechende Sensibilisierung, die auch im RU stattfinden kann,  von zentraler Bedeutung.

Abgesehen davon, wie (pädagogisch)  sinnvoll  der flächendeckende Einsatz digitaler Medien, etwa von Tablets, z.B. in der Grundschule ist, möchte ich hier einige Möglichkeiten des Einsatzes im (schulformübergreifenden) RU aufzeigen. Grundsätzlich gilt: Erst ausprobieren, dann vermitteln. Alle hier aufgeführten Beispiele setzen zunächst die eigene Beschäftigung der/des Lehrenden voraus, auf deren Hintergrund anschließend die sichere und glaubwürdige Vermittlung stattfinden kann.

  1. Wortwolken

Wortwolken (Tagclouds) sind in vielen Schulformen einsetzbar. Ihre Produktion durch die Schüler*innen kann z.B. am Anfang (als Einführung) oder am Ende (als Fazit) einer Unterrichtsreihe, die sich mit biblischen Texten beschäftigt, stehen. Dazu eignet sich u.a.

http://www.wortwolken.com/

weil diese Seite im Vergleich mit anderen einschlägigen deutschsprachig ist. Die Visualisierung ausgewählter Texte (Auswahl der Wörter, Farb- und Umrissgestaltung, usw.) kann, neben der zu erwerbenden Medienkompetenz, als Ausdruck des Textverständnisses der SchülerInnen eine wesentliche Funktion in der Behandlung darstellen. Eine umfangreiche Textauswahl biblischer Texte findet sich auf

https://www.bibleserver.com/

2. Videos

Das Netz ist voller brauchbarer (leider auch voller haarsträubender) Videos für den RU .  Auch in diesem Bereich muss sich jede/r ReligionslehrerIn auf die Suche nach (auf ihre/seine Lerngruppe und sie/ihn selbst) passenden Videos machen. An einem Beispiel möchte ich zeigen, zu was gute Videos imstande sind: Nach meiner Erfahrung spricht Sarah Marie Latza Jugendliche etwa von der 8. Klasse an. Ihre Videos sind gestalterisch aufs Wesentliche reduziert, deshalb eingängig und wirkungsvoll, ihre Texte sind geprägt von authentischem Glaubenszeugnis, ihre Stimme ist sehr berührend.  Diesen Link erhielt ich von einer Abiturientin – sie stellte das Video während eines eigenverantwortlich gestalteten Morgenimpulses zu Beginn einer Unterrichtsstunde vor.  Es ist nur ein Beispiel dafür, wie sehr  Inhalte aus dem Netz den RU (hier in vielfältigen Unterrichtskontexten) bereichern können.

Je nachdem, wie viel eine Schule investieren möchte, bieten VR-Brillen (40 – 800€) auch im RU neuartige, beeindruckende Erlebnisse. Mit Hilfe von 360°-Videos ist es einfach, entfernte Welten in den Unterrichtsraum zu holen:

 

3. Standbilder

Auf Standbildern versuchen Personen mit den Mitteln der Gestik, Mimik, Körperhaltung, der Stellung zueinander usw. beispielsweise ein Thema, einen Gedanken, eine Situation innerhalb der Erzählung einer Bibelstelle darzustellen. Dazu werden Personen als Darsteller ausgewählt und von den übrigen Gruppenmitgliedern, die wie Regisseure  agieren, solange angewiesen, bis das Standbild den gemeinsam erarbeiteten Vorstellungen entspricht. Standbilder können in jeder Phase einer Unterrichtsreihe (schulformübergreifend) funktional eingebunden werden.

Wurden Standbilder „früher“ mühsam erarbeitet, anschließend einmal vor der Lerngruppe vorgestellt und waren dann für immer verschwunden, bieten die digitalen Medien zahlreiche zusätzliche Möglichkeiten z.B. der Bildbearbeitung (unter erweiterten ästhetischen Gesichtspunkten), der gemeinsamen Reflexion, Korrektur und Optimierung der Darsteller selbst (Blick von außen), der beliebig oft wiederholbaren Reflexion der ganzen Lerngruppe, ebenso der Teilbarkeit des Bildes.

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Dieses Standbild (Kl. 8, Gymnasium) zeigt die Visualisierung des Themas Eucharistie: die Geborgenheit schenkende Begegnung des Menschen mit Gott.

Dieses Standbild, unterlegt mit einem Audio (Text und Musik), bringt eine Abschiedsszene zum Ausdruck.

Gestaltete Texte (Wortwolken), Videos und Fotos gehören zum Alltag medienaffiner Jugendlicher. Ihre didaktischen Funktionen auch im Bereich des Lehrens und Lernens zu nutzen, ist in vielfacher Hinsicht Merkmal eines zeitgemäßen Religionsunterrichts.