Ständig vor der Linse

  • Ein Reiseführer aus den 80ern, ein Bildband aus den 70ern:  Mein achtjähriger Sohn fragt erstaunt, was das denn sei. Ihm fallen sofort das Alter, die Machart, die ungewohnt schlechte Qualität der Bilder ins Auge. Die hier abgebildeten Menschen jedoch scheinen unbekümmert, unbeobachtet vor allem, sie  geben sich natürlich, wenig fotogen, sind einfach mit ihrem Leben beschäftigt. Und heute? Jugendliche inszenieren sich permanent. Überall lauert die Kamera. Sobald eine erblickt wird: die eingeübte Pose, das aufgesetze Gesicht, zigfach optimiert vor dem Spiegel, bis sie gefallen. Wie unbeschwert doch die Zeit vor 30, 40 Jahren! Wie viel Raum für Privatheit, Unentdecktes, Geheimnisvolles. Die ständige Präsenz, die stete Möglichkeit der Veröffentlichung, die permanente Bereitschaftsstellung: Was machen sie mit den Jugendlichen?
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